Buchtipp

Eurotrash
von Christian Kracht

Der Sohn wird zur Mutter gerufen. Dies macht ihn nervös, denn normalerweise wählt er aus, wann er sie besucht. Er kann Zürich nicht leiden, aber Mutter liebt die Stadt und das Land, in welchem man das Recht hat zu sterben. Nun hat er sie am Zürichsee abgeholt und nichts als Floskeln ausgetauscht, aber anscheinend hat sie einen guten Tag. Gute Tage sind selten, Alkohol und Medikamente beherrschen ihr Leben und Vorwürfe an ihn, er habe sie im Stich gelassen. Es wird Zeit für eine Geschichte, und prompt bittet sie den Sohn, ihr eine solche zu erzählen, er könne das ja so gut. Also erzählt er.

Christian Kracht hat mich bisher nicht so ganz überzeugt mit seinen Werken, aber Eurotrash hat mich nun voll erwischt. Diese Reise eines Sohnes mit seiner Mutter, die so schräg wie komisch, so intensiv wie auch brutal ist, hat mich mehr als beeindruckt. Kracht fürchtet nicht, im tiefsten Dunkel seiner Familiengeschichte die Vergangenheit zu beleuchten. Er kann aber in Eurotrash auch einen unbeschreiblichen, völlig ans Irre grenzenden, ironisch zynischen Ton walten lassen. Ich musste sehr oft laut lachen und mich sogleich auch dafür schämen. Es geht nicht zuletzt auch um Scham und Vergangenheitsbewältigung in diesem Roman. Die Beziehung zwischen Sohn und Mutter ist nebst all den gewichtigen Themen und Belastungen doch auch von einer Zärtlichkeit geprägt, die – losgelöst von allem – Sohn und Mutter ausmachen.

 

Manuela Hofstätter / lesefieber.ch / buchbon.ch

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