Buchtipp

Die Kakerlake
von Ian McEwan

Jim Sams kommt zu sich und merkt, wie anders doch sein neuer Körper ist, war er doch eben noch eine Kakerlake. Doch er entdeckt schnell dessen Steuerung und als er die Zunge im Mundkerker verwahrt, statt sie über die Lippe hängen zu lassen, fühlt er sich nochmals gleich deutlich besser. Sogar mit der Menschensprache klappt es, denn als eine Frau sein Zimmer betritt um ihn, den Premierminister zu unterstützen, antwortet er ihr mit seinem ersten gesprochenen Wort: “Okidoki”. Jetzt gilt es, den Reversalismus, die Umkehrung des Geldflusses, für Grossbritannien durchzubringen. Sie würden der Welt zeigen, was möglich war. Das war doch der Wille des Volkes und Jim diente ja schliesslich nur dem Volke! In drei Monaten würde das neue Gesetz vors Abgeordnetenhaus kommen. Jim hat fast alles bestens im Griff. Der amerikanische Präsident ist auch angetan von diesem Engländer, der plötzlich so durchgreift, und dieser Reversalismus gefällt ihm auch. Leider aber ist der Aussenminister nicht untätig geblieben. Es ist klar, dieser Mann muss weg. Mord kommt nicht in Frage, aber Jim hat andere Wege. Man vernimmt vom Guardian, dass eine Frau vor Jahren dem Missbrauch vom heutigen Aussenminister ausgesetzt war. Jim legt seinem Aussenminister nahe, sofort seinen Rücktritt bekannt zu geben.

Fazit: Zur aktuellen Kakerlake!

Ian McEwan trifft den Nagel auf den Kopf und ist zum heutigen Tage der aktuellste satirische Volltreffer zur Lage der Nation! Ob nun Kafka zu Ehren oder auch nicht, für mich ist dieser Roman mutig, frech und gegen den Strom ausgerichtete Literatur. Was soll, was darf Literatur in unserer hochsensibilisierten Zeit? Lust auf eine pointierte Antwort? Viel Spass beim Lesen dieses wagemutigen wie wahrhaftigen Romanes von McEwan.

 

Manuela Hofstätter / lesefieber.ch / buchbon.ch

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