Buchtipp

Schutzzone
von Nora Bossong

1994, Mira war noch ein kleines Mädchen, als sie von ihren Eltern in die Obhut guter Freunde gegeben wurde. In diesem Diplomatenhaushalt wohnte Milan, ein paar Jahre älter als Mira. Nun ist Mira als junge Frau für die UN tätig, wo sie auch Milan wieder trifft. Sie ist froh, nach heftigen Jahren und Reisen an die Orte des Schreckens dieser Welt, in Genf im Palais des Nations tätig sein zu dürfen. Im Rahmen der Arbeit in der Wahrheitskommission hört sie so viele Geschichten, verliert manchmal fast den Glauben an ihre Arbeit und an ein gerechtes Tribunal. So haderte sie auch mit dem Scheitern der Zyperngespräche und manchmal überhaupt mit dem Sinn und Unsinn ihrer Mission und der Arbeit im Namen des Friedens. Immerhin wird es dank dem Einsatz der UN nicht noch schlechter auf dieser Welt, aber vielleicht ist auch dies nur eine Geschichte, welche sie sich immer wieder erzählt. Sollte sie etwa aufhören mit ihrer Arbeit?

Fazit: Was ist schon die Welt?

Nora Bossong hat einen total faszinierenden Roman über die Arbeit der UN für den Frieden geschrieben. Dabei hat sie schonungslos aber hochliterarisch die Frage nach der Ethik dieser Friedensarbeit hinterfragt, ausgeleuchtet und erforscht. Ohne zu verurteilen erzählt Bossong eine Geschichte. Wieviel Wahrheit tatsächlich in einer Geschichte steckt, ist immer dem Zuhörer oder eben dem Leser oder der Leserin selbst überlassen. Diesem Roman habe ich mehr als interessiert zugehört, unbedingt möchte ich bald den Palais des Nations in Genf besuchen, schliesslich ist er mindestens das zweitwichtigste Gebäude der Welt. Wobei, dies ist ja eben die andere Frage, was ist schon die Welt? Welche Wahrheit stimmt? Gibt es Gerechtigkeit oder bleibt diese ein Märchen? Kann Vergebung stattfinden? Dieser Roman hallt nach, regt ungemein zum Nachdenken an und ist für mich unvergleichbar kostbar in seiner Thematik!

 

Manuela Hofstätter / lesefieber.ch / buchbon.ch

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